
Sepp, 26.12.2025
Liebe Mona
Die Informationsmöglichkeiten, aber auch deren Nutzung, haben sich in den letzten Jahrzehnten fundamental geändert. Persönlich habe ich diesen Prozess hautnah miterlebt. Deshalb bin ich gespannt zu erfahren, an welchem Punkt du heute stehst.
Ich hatte schon als Schüler Interesse an der Zeitgeschichte, an der Politik und an der Geschichte. Aber die Möglichkeiten, sich darüber zu informieren, waren für mich sehr begrenzt. Das Fernsehen existierte noch nicht und einen Radioempfänger besassen wir nicht. Wir hatten, weil wir im Bezirk Rorschach wohnten, die Rorschacher Zeitung abonniert. Diese berichtete über das Geschehen im Bezirk, im Kanton und in der Schweiz, sowie überschlagsmässig auch in der Welt. Politisch vertrat sie die damalige katholisch-konservative Partei. Vor allem im Vorfeld von Wahlen war dies deutlich zu spüren, und die anderen Parteien wurden angegriffen.
Ab der Primarschulmittelstufe, der Sekundarschule und vor allem ab der Kantonsschule hatte ich Lehrer, welche meinem Interesse entgegenkamen und den Blick über den Tellerrand und die Kirchturmspitze hinaus öffneten. In der Kanti kam als neues Medium das Radio dazu, welches ich für die Familie aus meinem Lohn kaufte, den ich während der Sommerferien auf dem Bau verdient hatte. Mein geschichtliches und zeitgeschichtliches Interesse deckte ich auch durch Bücher aus der Bibliothek ab. Mit der Heirat kam auch ein Fernsehgerät in die Stube. Die Sendezeit begann am Nachmittag und endete meist vor Mitternacht. Das Schweizer Radio füllte damals die Sendepausen noch mit dem Zeitzeichen.
Als Sekundarlehrer bemühte ich mich, meine Schülerinnen und Schülern in den Fächern Geschichte und Deutsch zeitbezogen aktuell zu unterrichten und so ihr Interesse am gegenwärtigen Geschehen zu wecken. Tagesaktuell informierte ich mich jetzt ausser über die Zeitung «Die Ostschweiz» aus St. Gallen auch über den «Tagesanzeiger» aus Zürich. Was die Printmedien betrifft, weitete sich dieses Angebot mit meinem Wechsel in den Journalismus aus. Auf den Redaktionen von Ostschweiz, später Thurgauer Zeitung und Tagblatt standen täglich fast alle Schweizer Tageszeitungen zur Verfügung. Ein Angebot, das ich aber nur punktuell zu nutzen imstande war.
Seit meiner Pensionierung beschränke ich mich printmedienmässig auf die Wiler Zeitung, ein Kopfblatt des St. Galler Tagblattes, und die NZZ am Sonntag. Die Wiler Zeitung sieht sich, seitdem alle übrigen Zeitungen in der Ostschweiz in ihr aufgegangen sind, nicht mehr als Parteiblatt, sondern als Forumszeitung. Ihr Problem ist aber ein finanzielles: sie wird immer dünner und immer teurer. Der Grund dafür liegt im Internet. Dorthin ist der ganze Anzeigenmarkt abgewandert. Den Zeitungen fehlt das Geld, im Internet dagegen hat sich ein unglaubliches Informationsangebot entwickelt. Es ist unübersichtlich und hinsichtlich Wahrheitsgehalt schwer durchschaubar. Was ich aber häufig nutze sind Informationskanäle wie Google und Wikipedia. Neuerdings kommt hie und da auch KI dazu.
Ich beziehe meine Informationen heute hauptsächlich aus der Wiler Zeitung, der NZZ am Sonntag, dem Radio und dem Fernsehen. Dabei muss ich präzisieren. Im Radio höre ich eigentlich nur Nachrichten und hie und da lokale Diskussionen. Im Fernsehen differenziere ich stärker. Tagesschau-Sendungen sehe ich praktisch täglich im Lokalsender, im Schweizer und im deutschen Fernsehen. Je nach Aktualität auch im österreichischen Fernsehen. Zeitaktuelle Sendungen verfolge ich nach Möglichkeit auf vielen deutschsprachigen Kanälen. Ganz wichtig war und ist mir natürlich immer auch der Austausch mit den Menschen in meinem Umfeld.
Du siehst, liebe Mona, dein Grossvater fährt eher einspurig. Er schaut zum Beispiel selten Filme, gar nie Krimis. Es entgeht ihm sicher vieles. Darum freue ich mich darauf, von dir zu erfahren, welches deine Interessen sind und wie du dazu kommst, ihnen zu entsprechen.
Liebe Grüsse
Grossvater
















